Die Wahl des richtigen Motoröls bereitet vielen Autofahrern Kopfzerbrechen. Angesichts der Vielzahl von Marken und Spezifikationen fällt es selbst dem Fachmann nicht leicht, den Überblick zu behalten. Leider kann sich der Autofahrer auch nicht einfach für das Motoröl entscheiden, dem ein Freund vertraut oder dessen Anzeige er neulich im Automagazin gesehen hat. 

Welches Motoröl: Mineralisch, teilsynthetisch oder vollsynthetisch?

In den Regalen der Händler stehen mineralische Motoröle, HC-Motoröle, teilsynthetische Motoröle und vollsynthetische Motoröle. Die Wahl  des passenden Öls ist abhängig vom Fahrzeugtyp und den eigenen Ansprüchen an Leistung und Umweltverträglichkeit.

  • Mineralische Motoröle haben sich seit vielen Jahrzehnten bewährt. Sie sind nach wie vor eine gute Wahl für ältere Fahrzeuge und alle Wagen mit Basis-Motorisierungen. Den gestiegenen Anforderungen leistungsstarker Automobile können mineralische Motoröle nicht in vollem Umfang gerecht werden.
  • HC-Motoröle setzen technisch auf mineralischen Motorölen auf. Durch die Verfahrenstechnik des Hydrocrackings erhält HC-Motoröl eine verbesserte molekulare Struktur. HC-Motoröle besitzen einige ausgewählte synthetische Komponenten.
  • Teilsynthetische Motoröle wurden in mehreren Bearbeitungsschritten leistungsfähiger gemacht. Sie begünstigen den Kaltstart und sorgen für eine rasche Durchölung des Motors. Dank spezieller Additive läuft der Verbrennungsprozess besonders sauber und verschleißfrei ab.
  • Vollsynthetische Motoröle bieten eine Topleistung im Ölbereich. Die Additive in den dünnflüssigen Ölen bauen bei tiefen Temperaturen eine hohe Viskosität auf, die den Motor beim Kaltstart wirksam vor Verschleiß schützt. Die Durchölungsgeschwindigkeit ist noch höher als die von teilsynthetischen Ölen. Vollsynthetische Motoröle erfüllen die höchsten Standards, die in den Spezifikationen nach API und ACEA vorgegeben sind. Sie sind für Benziner und Diesel erhältlich.

Mehrbereichsöle ersparen den Ölwechsel

Männerhand hält ÖlmessstabJedes PKW-Öl für Motoren wird gemäß der internationalen SAE-Spezifikation klassifiziert. Der auf den Motoröl-Gebinden prangende SAE-Code drückt die Fließeigenschaft von Motoröl bei niedrigen und bei hohen Temperaturen aus. Wer seinem Fahrzeug regelmäßig hohe Drehzahlen abfordert, sollte zu einem vollsynthetischen Motoröl mit angepasster SAE-Spezifikation greifen. Welches Motoröl gewählt wird, ist auch davon abhängig, welche klimatischen Bedingungen vorherrschen und ob Tiefsttemperaturen abzudecken sind.

Im Sommer und in südlichen Ländern liegt der Fokus auf der Hochtemperaturviskosität. In Gegenden mit harten Wintern, darf die Niedrigtemperaturviskosität nicht vernachlässigt werden. Anders als Einbereichsöle sind die für Deutschland empfohlenen Mehrbereichsöle decken ein breites Spektrum von Temperaturen ab.

Entscheidend ist die Freigabe

Außer den von den Automobilverbänden und den Öl-Herstellern herausgegebenen Spezifikationen finden sich auf Motoröl-Packungen auch Angaben zu Freigaben der Autohersteller. Wenn eine Freigabe des Herstellers für das eigene Fahrzeug vorliegt, stellt sich die Frage, welches Motoröl zu verwenden ist nicht mehr. Für die Freigaben verwendet jeder Automobilproduzent eine eigene Codierung. Der auf dem Motorenöl angegebene Herstellerschlüssel ist mit den Angaben in den Fahrzeugunterlagen zu vergleichen.

Empfehlungen der Öl-Hersteller prüfen

Oftmals finden sich auf den Gebinden der Motoröl-Hersteller neben Freigaben auch Empfehlungen für weitere Baureihen anderer Automobilhersteller. Um von einem Automobilhersteller die offizielle Freigabe für ein Fahrzeugmodell zu erhalten, müssen die Anbieter von Motorölen aufwändigen und kostenintensiven Prozeduren folgen. Daher beschränken sich die Hersteller von Motorölen auf Freigaben für populäre Baureihen großer Hersteller. Ist das Öl nach Einschätzung des Herstellers von der Zusammensetzung her auch für andere Fahrzeuge geeignet, gibt er eine Empfehlung heraus.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte nur Öl verwenden, das die Freigabe des Automobilherstellers besitzt. Wird bei einem Motorschaden die Gewährleistung des Herstellers in Anspruch genommen, muss mit der Entnahme einer Ölprobe gerechnet werden. Stellt sich heraus, dass ein nicht vom Hersteller freigegebenes Motoröl verwendet wurde, kann der Autofahrer auf den Kosten von Reparatur und Werkstattbedarf sitzen bleiben.

Textbild: Daisy-Daisy / istockphoto